
Australien hat den ersten Test in Durban gegen Südafrika gewonnen und damit die Serie mit 1:0 angeführt. Die Südafrikaner mussten nach 12 Spielen ohne Niederlage ihre erste Pleite hinnehmen. Josh Hazlewood war mit 6-49 in der zweiten Innings der überragende Bowler seines Teams und erzielte damit seine besten Test-Werte. Er übertraf damit seine bisherige Bestleistung von 6-67 gegen Indien im Jahr 2017.
Die Weltmeister hielten bis in die erste Stunde der Nachmittagssession am letzten Tag durch. Aiden Markram kämpfte tapfer und stand 237 Bälle lang am Schlag. Am Ende brach Australien aber jeden Widerstand. Die Ergebnisse im Überblick:
Australien: 390 und 314-6 dec. (Renshaw 82)
Südafrika: 284 und 206 (Markram 75)
„Ich würde gerne mehr Kampfgeist sehen“, sagte Proteas-Trainer Shukri Conrad. „Ich weiß nicht, ob es alarmierend ist, aber es ist besorgniserregend.“
Sollte Südafrika also besorgt sein, bevor eine spannende Phase mit dem Besuch Englands über Weihnachten beginnt?
Eingerostete Schlagmänner oder mehr?
Viel war im Vorfeld über Südafrikas Weg ins Finale der World Test Championship 2025 in Lord’s gesprochen worden. Dort qualifizierte sich das Team mit nur 12 Tests, so wenige wie kein anderes Team. Zuvor hatte es zu Hause gegen Indien remis gespielt und in Neuseeland verloren, bevor Siege gegen West Indies, Bangladesch, Sri Lanka und Pakistan folgten.
Als Entschuldigung für diese Niederlage gilt, dass es der erste Test seit fast einem Jahr war und die meisten Schlagmänner nur ein einziges Rotball-Spiel im Inland zur Vorbereitung bestritten hatten. Australien kam ebenfalls nach einer achtmonatigen Pause und verlor zu Hause gegen Bangladesch, worauf Conrad ausdrücklich hinwies.
Zudem haben die Südafrikaner im vergangenen Sommer Australien besiegt und in Indien mit 2:0 gewonnen. Das zeigt, dass sie die besten Teams der Welt schlagen können.
Dieser Test bestätigte jedoch einen besorgniserregenden Trend bei den südafrikanischen Schlagmännern. Tristan Stubbs und Ryan Rickelton sind starke Spieler im Weißball-Cricket. Stubbs’ zwei Test-Centuries erzielte er gegen Sri Lanka und Bangladesch, Rickeltons gegen Sri Lanka und Pakistan.
In der ersten Innings nahm Stubbs zwei Overs nach dem Aus von Wiaan Mulder einen Pull-Schlag zu hoch und fing den Ball am Fine Leg. In der zweiten Innings spielte er einen lockeren Drive auf einen Ball, der ihm nicht gefährlich werden musste. Eröffner Rickelton drosch am späten zweiten Tag auf einen weiten Ball, bekam einen Edge und verlor in der vierten Over des vierten Tages seine Wicket durch einen Pull-Schlag.
Mulder erzielte im vergangenen Jahr 367 nicht ausgeschiedene Runs gegen Simbabwe. Bangladesch ist aber der einzige andere Gegner, gegen den er einen Schnitt von über 30 hat. Immerhin machte seine Vorstellung am letzten Tag Mut: Er hielt 110 Bälle durch und erzielte 29 Runs, bevor er den Ball am Leg Side unglücklich abgab.
Wicketkeeper Kyle Verreynne hingegen überstand nur drei Bälle, bevor er einen Ball von Matt Renshaw mit Spin zu Slip tippte. Sein Test-Schnitt von 30,14 sinkt gegen Australien auf 28 und gegen England und Indien jeweils auf 15.
Conrad sagte, dass „ein paar der Jungs einen Schritt nach vorne machen müssen“.
„Die eigentliche Enttäuschung war das Schlagverhalten in der ersten Innings auf einem wirklich guten Wicket“, sagte Conrad. „Ja, es ist ein Weltklasse-Angriff, aber einige Spieler haben gute Starts hingelegt und diese nicht genutzt.“
Markram und Nortje als positive Akzente
Markrams kämpferisches Innings in der vierten Innings war ein Lichtblick für die Proteas. Er schlug fast sechs Stunden lang und erzielte 75 Runs, bevor er in der Nachmittagssession einen Edge auf Mitchell Starc an Alex Carey abgab.
David Bedingham wirkte auf seiner neuen Position als Nummer drei ebenfalls souverän. Allerdings gehörte er zu denen, die aus ihren Starts nicht genug machten, nachdem er bei 49 und 46 Runs ausgeschieden war.
Die Niederlage lag aber nicht allein an den Schlagmännern. Temba Bavuma, der in diesem Spiel zum ersten Mal als Captain eine Niederlage hinnehmen musste, ließ das Spiel am zweiten Tag treiben. Australien baute seinen Score von 124 -6 auf 390 nicht ausgeschieden aus.
Renshaw spielte für seine 190 Runs brillant, wurde aber kaum herausgefordert. Er rotierte die Strikes locker und beschützte Nathan Lyon in ihrer Partnerschaft für das neunte Wicket über 134 Runs.
Es wäre nicht fair, die Südafrikaner an Australiens gefürchtetem Angriff zu messen, dem erfolgreichsten Quartett, das die Test-Geschichte gesehen hat. Dennoch fehlte den südafrikanischen Bowlern der unerbittliche Druck ihrer Gegner.
Anrich Nortje war beeindruckend, als er vier Wickets in seinem ersten Test seit März 2023 holte. Seine letzte Phase war schneller als seine erste. Er brachte Tempo und Aggressivität ins Spiel und traf am vierten Tag Steve Smith mit einem Bouncer am Helm.
Doch Mulder gab nach seinen Spells mit dem neuen Ball wenig Impulse. Marco Jansen blieb nach seinen Wickets gegen Nic Maddinson und Steve Smith am ersten Tag blass.
Die Rückkehr des verletzten Topspielers Kagiso Rabada kommt dringend. Er war am fünften Tag beim Bowlen zur Mittagspause zu sehen.
Auch die Spinner Simon Harmer und Keshav Maharaj entgingen Conrads Kritik nicht. „Anrichs Comeback war phänomenal und wirklich erfreulich“, sagte Conrad. „Wenn wir ehrlich sind, waren unsere Spinner nicht so scharf, wie sie normalerweise sind.“
Der zweite Test beginnt in nur fünf Tagen in Gqeberha. Südafrika muss hoffen, dass dieser Test den Rost entfernt hat. Die alternative Erklärung wäre deutlich beunruhigender.